Der Katzenkrimi mit Coco und ihren Kumpels ist der Debütroman der Autorin Marianne Kaindl. Nach dem Mord am Ex des Frauchens, die selbst unter Verdacht steht, nehmen Coco und ihre felinen Mitbewohner die Ermittlungen zur Entlastung ihrer Dosenöffnerin auf.
Coco ist eine einjährige Katzendame, die sich ebenso wie ihr Frauchen mit dem Gedanken trägt, ein Buch zu schreiben. Und während Katz und Frauchen noch über geeigneten Stoff nachdenken, geschieht der besagte Mord am Ex. Coco hat die Information über die Ermordung des Ex aus dem Internet bezogen, denn als Katze von Welt verfügt sie über ein eigenes Tablet, ist fit in Googeln und Surfen, kann Apps herunterladen und erweist sich auch im Umgang mit ihrem - mit einer Catcam ausgestatteten iPhone - als recht versiert. Die IT-Affinität hilft ihr auch dabei, mit den Menschen (ihres Vertrauens) zu kommunizieren. Wozu gibt’s es schließlich die App zur Übersetzung des Katzenmaunzens in Bildschirmtext. Nicht zuletzt erlaubt ihr auch die Beherrschung der menschlichen Kommunikationstechnik, weitgehend auf die originär kätzischen Kommunikationsmethoden zu verzichten, die Katzenromane ansonsten so reizvoll machen.
Fernsehen bildet
Ihre kriminalistische Qualifikation hat Coco nach eigener Aussage durch den intensiven Konsum der Tatortserie erlangt, die Autorin hat zudem noch einige Felidae-Elemente in die Story eingebaut und ansonsten zeichnet sich die Katzenbande trotz Hightech-Affinität vor allem durch Vor-Ort-Ermittlungen aus, die insbesondere Coco immer wieder in gefährliche Situationen bringt. Cocos Beobachtungsgabe ist faszinierend, bei den Menschendarstellungen besticht sie durch detaillierte Kenntnisse in Modefragen. Zwar tragen die ausführlichen Beschreibungen der Garderobe der menschlichen Protagonisten nicht unbedingt zur Aufklärung des Falles bei, lassen aber darauf schließen, dass auch die Shopping-Queen zu den bevorzugten Fernsehsendungen der Katze oder aber der Autorin gehören könnte.
Ein paar Baustellen
Spaß beiseite, natürlich lösen Coco und ihr kätzisches Ermittlerteam am Ende den Fall und wer auf diesen Grad der Vermenschlichung von Katzenpersönlichkeiten steht, darf sich auf die Folgebände freuen. Der zweite Band „Das Vermächtnis des Hypnotiseurs“ ist gerade erschienen und der dritte Band bereits in Arbeit. Vieles spricht also dafür, dass die Coco-Romane ihre Leserschaft haben. Trotzdem wäre es zu wünschen, dass sich die Autorin für die Folgeromane mit der einen oder anderen Schwäche ihres Debüts auseinandergesetzt hat. Vielleicht gibt es ja einen Grund dafür, dass die technikversierte Coco Kleidungsstücke, und Möbel, Gebäudeeinrichtungen und Schminkutensilien detailliert, auch hinsichtlich ihrer Bezeichnung und Nutzung identifizieren kann, aber nicht in der Lage ist, ein Stehpult und Handmikrofon als solche zu identifizieren. Mir haben sich die Hintergründe solcher Widersprüche jedenfalls ebensowenig erschlossen, wie die unzähligen, oft mit Leerzeilen voneinander getrennten Absätze, die in meinen Augen nicht nur das Satzbild stören, sondern auch das flüssige Lesen ein wenig behindern. Ansonsten ist es ein in seiner Ausstattung sehr schönes Buch, mit solider Verarbeitung schönem Cover und netten kleinen Illustrationen.
Marianne Kaindl: Sechs Katzen und ein Todesfall. ABB-Verlag 2014. Gebunden, 176 Seiten

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